Spiros Simitis Award: Rückblick


Spiros-Simitis-Award 2017

 
7. bis 9. November 2017 in Berlin  
Die Bilder sind in Arbeit und dauern noch ein paar Tage und werden schnellstens von uns hier eingestellt.  
Euer dtb-Team  
   

 

Spiros-Simitis-Award 2016

 
vom 8. bis 10. November 2016 in Berlin
     
  Matthias Wilke  
  Matthias Wilke (dtb-Geschäftsführer)
kündigt die Preisverlehung an !
 
     
1. Preis - Kaufland Warenhandel Löbau 2. Preis - Airbus Group 3. Preis - SCA GmbH
     
1. Preis - Kaufland Warenhandel Löbau 2. Preis - Airbus Group 3. Preis - SCA GmbH
1. Preis - Kaufland Warenhandel Löbau 2. Preis - Airbus Group 3. Preis - SCA GmbH
     
   
  Alle drei Sieger
des Spiros-Simitis-Award 2016
 
 
Impressionen in Bildern vom 11. dtb-Forum für Arbeitnehmervertreter 2016 in Berlin, als ZIP-Archiv-Datei, hier...
Hinweis: wer einen freien Entzipper braucht, kann ihn hier downloaden...
 

Laudatio zum Spiros-Simitis-Award

vom 11. November 2015 in Berlin
 
Padelun, Laudator

Laudator: padeluun
Big Brother Award, Digitalcourage e.V.

 

Mal ehrlich. Ist das nicht furchtbar? Ist das nicht ein Kampf gegen Windmühlenflügel?  

Seit über 45 Jahren rackern wir am Datenschutz. Herr Simitis, der diesem Preis Pate steht, ist mehr als 45 Jahre an diesem Thema dran. Ich selbst rackere seit 30 Jahren am Thema. Und es geht so unglaublich schleppend voran. ... Nur die Rückschläge gehen schnell.      

Gerade haben Bundestag und Bundesrat schon wieder eine Vorratsdatenspeicherung beschlossen. Das Wahlkampfthema "Innere Sicherheit" verstellt der parlamentarischen Republik die Sicht auf Grundrechte und Demokratie. Und es scheint nur wenige Menschen außerhalb dieses Raumes hier zu interessieren.

 
Und auch die Medien anwesende natürlich ausgeschlossen interessieren sich nicht die Bohne dafür.  

In der Zeit des letzten, des 17., Bundestages ist das Wort "Arbeitnehmendendatenschutz" immer mal wieder aufgeblitzt. Passiert ist - na, das können wir wohl im Chor singen: Nichts. Zumindest nichts greifbares.  

 

Mal ehrlich. Ist das nicht furchtbar? Macht das nicht unendlich müde, gegen Windmühlenflügel zu kämpfen?  

Kann man da nicht die Lust verlieren, ausbrennen, seinen Burnout nehmen und nur noch Dienst nach Vorschrift machen?  

... Sie haben jetzt nicht erwartet, dass ich diese rhetorische Frage mit JA beantworten würde? Nicht wahr?
 
Denn wenn ich mich hier im Raum umsehe, sehe ich nicht nur viel Interesse, sondern ich sehe auch Leute, die sich für Datenschutz, für dieses Grundrecht auf ausgeübte Menschlichkeit, mit immenser Kraft einsetzen. Ganz voran der Namensgeber des heutigen Preises, den zu laudatieren ich die Ehre habe (den Preis, nicht den Namensgeber ;), sondern auch die Bürgerrechtlerin Sabine Leuthheusser-Schnarrenberger, die gestern hier gesprochen hat, viele - vielleicht sogar alle - hier im Raum und ... natürlich die heutigen Preisträgerinnen und Preisträger.    
 

Um die letzteren geht es hier, an Sie wende ich mich:  

Sie haben durch Ihre Arbeit gezeigt, dass es möglich ist, in den Mühlen des Alltags, das Besondere zu leisten. Und das auch dann, wenn einem der Verstand sagt, dass dieses Besondere eigentlich der Alltag sein sollte. Auch wenn es viel bequemer wäre, sich einzufügen, mitzumachen, mit den Wölfen zu heulen und Dienst nach Vorschrift zu machen.       

 

Jede und jeder von Ihnen hat Besonderes geleistet.      

Und genau DAS macht Mut.      
 
Genau DAS sagt uns: Gerade wenn es furchtbar scheint, müssen wir anpacken. Gerade das zwingt uns immer wieder, das Richtige zu tun. Das zwingt uns, den Mehraufwand zu leisten, uns für unser eigenes Leben und Arbeitsleben einzusetzen. Ihr exemplarisches Beispiel ist genau das, was eine Gesellschaft braucht, die zwar gerne jammert, wie furchtbar alles sei, aber nicht anpackt, tätig wird, Position bezieht und freundlich und hartnäckig auf das Richtige besteht und sich immer wieder dafür einsetzt.  
 
Ich habe mir - wie alle in der Jury - alle Einsendungen angeschaut. Ich war ehrlich verblüfft, wie viel kleinstteilige Arbeit notwendig war, um ein Ergebnis zu erzielen, von dem nur wenige nachvollziehen können, welche kleine (oder eigentlich großen) Revolutionen darin stecken. Bei allen Einsendungen hätte ich sagen können: Die haben einen Preis verdient. Leider gehört es mit zum Spiel, einen ersten, zweiten und dritten Preis zu vergeben. Und ich denke, dass Sie hier im Raum versammelten mit den ausgewählten Vorschlägen zufrieden sind und mit Bedacht und Freude ausgewählt und für Ihre Favoritin, Ihren Favoriten, abgestimmt haben.  
 

Zum dritten Preis:

Was mich bei den Kolleginnen und Kollegen von der GDV besonders gefreut hat, war, dass sie genau im richtigen Moment gehandelt haben. Da sollte eine neue EDV her - und ZACK - haben sie die Gelegenheit beim Schopf ergriffen und eine komplett neue Betriebsvereinbarung geschaffen, die tatsächlich modern ist und auch konkrete Sachverhalte regelt. Von meiner Seite ein ganz großes Kompliment. Denn es ist mit am Schwersten, den richtigen Zeitpunkt zu finden und sich nicht an Problemen zu verbrennen, die sich dann doch wie Windmühlenflügel anfühlen.    
 

Zum zweiten Preis:

Auch bei den Kolleginnen und Kollegen von Kaufland spielt die Betriebsratsvereinbarung eine große Rolle. Und (ich mag ja sowas) was sich besonders toll anfühlt, ist das Bewusstsein, dass der Arbeitgeber zusagen musste, innerhalb eines Monats 18 Millionen Dokumente aus den digitalen Personalakten zu löschen. Und das war nicht einfach. Nur unter Druck und mit der Androhung von Gerichtsverfahren war der Arbeitgeber bereit, sich zum Handeln zwingen zu lassen ...  

Soviel Freude beim Lesen Eurer Korrespondenz hatte ich nicht mehr, seit das Bundesverfassungsgericht 2012 verfügte, dass alle Daten aus der Vorratsdatenspeicherung unverzüglich zu löschen seien.    
 
Zum ersten Preis:
Primark. Nicht nur intern wurde es laut bei Primark in Hannover. Auch die Medien berichteten. Allein 128 Videokameras waren bei Primark installiert - auch in den Fluren außerhalb des Verkaufsraums. Es war für keine Mitarbeiterin oder Mitarbeiter möglich, sich einer umfassenden Videoüberwachung zu entziehen. Und - danke, liebe Betriebsräte - hier habt Ihr Euch auf die Hinterbeine gestellt, Euch fachlichen Rat (übrigens bei der dtb ;) geholt und die Geschäftführung einfach mal lang gemacht. Über 60 Kameras wurden demontiert und es gibt nun auch eine klare Betriebsvereinbarung, was der Arbeitsgeber eigentlich mit der Videoüberwachung erreichen   und wie er das umsetzen will - und darf.
 
Aus meiner Erfahrung als jemand, der sich seit vielen Jahren als Datenschutzfredi einsetzt, kann ich sagen, dass Videoüberwachung ein besonders schwieriges Thema ist. Niemand fühlt sich wohl unter den Augen von Kameras, aber alle glauben, dass sie positiv wirken und man sich deshalb mit ihnen arrangieren muss. Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen von Primark Hannover, haben gezeigt: NEIN, man muss sich damit nicht arrangieren. Man muss laut werden, die negativen Wirkungen aufzeigen, fachlichen Rat einholen, drohen, und hartnäckig und nachhaltig das Übel bekämpfen.
 
Und das möchte ich noch einmal in den Raum rufen:  

Ja, das Wirken für Datenschutz kann furchtbar sein. Das ist nämlich dann furchtbar, wenn niemand einschreitet, Partei ergreift für die Menschen mit Grundrechten, die man auch am Werkstor nicht einfach abgeben kann - und darf.      

Mögen uns diese drei genannten Beispiele Mut machen, für das Weiterkämpfen. Der Angriff auf unsere Grundrechte und unsere Menschlichkeit, sind keine Windmühlenflügel, wir sind nicht Don Quichotte und Datenschutz ist nicht unser Pferd Rosinante. Und ich möchte hinzufügen, dass die fachliche Hilfe eher dtb, TBS, BTQ Forba oder Forbit heißen und nicht Sancho Pansa.

 

 

Film der Preisverleihung

 

Bilder zum Spiros Simitis Award 2015

dtb Geschäftsführer Matthias Wilke
moderiert den Award
Vorstellung der drei Projekte Vorstellung der drei Projekte
     
Prof. Dr. Wolfgang Däubler
stellt die drei Projekte vor
die drei Preise padeluun bei seiner Laudatio
     
3. Preis
GDV Dienstleistungs GmbH & Co. KG
2. Preis
Kaufland Warenhandels-Gesellschaft
in Sachsen-Anhalt-Süd
1. Preis
Modekette Primark Hannover
 

Medienbericht über den ersten Spiros-Simitis-Award 2015 auf Heise.de

Datenschutz-Preis: Erster Spiros-Simitis-Award für Primark-Betriebsrat in Berlin
heise.de vom 12.11.2015 - Der Spiros-Simitis-Award der Gewerkschaften für vorbildlichen Mitarbeiter-Datenschutz geht an den Betriebsrat der hannoverschen Primark-Filiale, der sich erfolgreich gegen die umfassende Videoüberwachung der Mitarbeiter zur Wehr setzen konnte.
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